Ein Tag der Forschung im Haus der Archäologien

Es ist viel los im Haus der Archäologien und es herrscht eine freudige und interessierte Atmosphäre. Kolleg:innen, die sich lange nicht gesehen haben, tauschen Neuigkeiten aus. Dann geht es los: Der Tag der Forschung im Haus der Archäologien. An diesem Tag stellen einige Mitarbeiter:innen ihre Projekte vor. Wir haben euch eine kleine Auswahl aus den Projekten zusammengestellt. 

Eines darf an einem solchen Tag nicht fehlen: Die einführenden Worte des Abteilungsleiters Dr. Thomas Stöllner. Er zeigt kurz auf, was die ABteilung im letzten Jahr erreicht hat und in welche Richtung es nun weitergehen soll. 

 


Distribution von Mitterberger Kupfer

von Benedikt Horst

Mein Dissertationsthema trägt den Titel „Distribution von Mitterberger Kupfer“. Der Mitterberg war eine Bergbaulandschaft in den Ostalpen, die während der Bronzezeit Kupfer für fast ganz Europa produzierte: Fast 1000 Jahre lang wurde hier Kupfererz abgebaut und verhüttet, um dann zum lebenswichtigen Metall Bronze weiterverarbeitet zu werden. Nach Hochrechnungen wurden insgesamt ca. 23.000t Kupfer produziert, die bis nach Skandinavien, Großbritannien oder ans Schwarze Meer gelangten. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie das Kupfer von den Alpen aus verbreitet wurde. Gab es etwa eine zentral gesteuerte Verteilung des Metalls oder wurde es von Ort zu Ort weiter getauscht und gehandelt? Wie sah der Austausch von Kupfer aus? Und gab es dabei möglicherweise regionale Unterschiede? Außerdem will ich wissen, welche Rolle Kupfer aus diesem speziellen Gebiet im Leben der Menschen gespielt hat: Was wurde daraus gemacht? War dieses Metall ein Alltagsmaterial, das als Allround-Rohstoff für alle möglichen Zwecke benutzt wurde oder gab es eine bestimmte, möglicherweise auf besondere Gegenstände oder Personen beschränkte Nutzung?      

Um diese Fragen beantworten zu können muss zunächst einmal definiert werden, wie Mitterberger Kupfer in den vielen tausend Bronzeobjekten der Bronzezeit identifizierbar ist. Das geschieht hauptsächlich über die Spurenelementanalyse: Jedes Erz enthält in geringen Mengen Begleitelemente, die bei der Verhüttung zu Metall nicht verloren gehen und durch chemische Analysen im fertigen Bronzeobjekt messbar sind. Durch diesen geochemischen „Fingerabdruck“ des Erzes lässt sich herausfinden, aus welcher Lagerstätte das verwendete Metall stammt. Das Erz der Mitterberger Lagerstätte beispielsweise ist ein Kupfer-Eisen-Sulfid namens Chalkopyrit. Andere in der Bronzezeit genutzte Lagerstätten der (Ost-)Alpen bestehen vor allem aus sogenannten Fahlerzen, die einen viel höheren Anteil an Arsen, Antimon und Silber aufweisen und sich so chemisch gut vom Chalkopyrit unterscheiden lassen.

Nachdem auf diese Weise Funde aus Mitterberger Kupfer identifiziert werden konnten, werden sie in einer Datenbank zusammengetragen und kartiert. Dann kann ich versuchen herauszufinden, wie diese Verbreitung des Kupfers zustande gekommen ist: Wo gibt es beispielsweise Regionen mit besonders viel Kupfer, die vielleicht auf Austauschzentren hindeuten? Ändert sich der Umgang mit dem Metall dort, wo sich die materielle Kultur ändert? Neben den kulturellen Verbindungen der Fundstellen werde ich auch den Umgang mit dem Metall und seine Bedeutung innerhalb einzelner Regionen untersuchen. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse sollen dann abschließend Handels- und Austauschprozesse und -Praktiken im Umgang mit Kupfer rekonstruiert werden. In einer „landscape of exchange practices“ kann so der Weg des Kupfers vom Mitterberg aus bis zur Niederlegung nachvollzogen werden. 

 


Das Hochtal von Shakin im November 2021 (Foto: F. Schapals, DBM)

Ein altes Silberbergwerk in Iran

von Fabian Schapals

Im Norden Irans, nahe des Dorfes Shakin, liegt in ein einem kleinen Hochtal die Blei-Silber Lagerstätte von Shakin. Schon seit der Antike ist das schmale Tal, geschützt durch seine steilen Hänge im Norden und Süden, Heimat seiner landwirtschaftlich geprägten Bewohner. Siedlungshügel, welche größtenteils in die sassanidische und später in die seldschuckisch- bis ilkhanidische Zeit datieren, Mühlsteinbrüche und mehrere große Qanat-Systeme lassen auf eine florierende Siedlungsgeschichte schließen.

Die fruchtbaren Böden und die geschützte Lage sind jedoch nicht die einzige Anreize des Hochtals. Das Hochtal umfassen Hügel und Bergformationen, welche in einem Ausläufer des Orumieyeh Dokthar Gürtels liegen und Teil der ausgeprägten Blei-Silber Lagerstätten des iranischen Zentralplateaus sind.

Die Geschichte des Edelmetalls Silber, seine Anfänge und seine kulturelle Bedeutung ist eng verbunden mit der Geschichte Irans. Im 4. Jt. v. Chr. lässt sich das Kupellationsverfahren auf dem Zentralplateau nachweisen, an Fundorten wie Tappeh Sialk (Nokandeh/Nezafati 2003) und Tappeh Shoghali (Nezafati/Hessari 2017). Funde vom Tappeh Sialk oder von der Akropolis in Susa bezeugen seit dem späten 4. Jt. v. Chr.  die intensive Nutzung von Silber.

Die Lagerstätte von Shakin wurde bereits in prähistorischer Zeit genutzt, davon zeugen Steinschlägel, die im Kontext des Abbaus genutzt wurden, sowie unregelmäßige, feuergesetzte Grubengebäude (Abb. 2). Auch in der Eisenzeit und später in sassanidischer sowie islamischer Zeit wird in Shakin Silber gewonnen. Etliche Mundlöcher und weitläufige Strecken sowie Abbauhallen mit Gezähespuren von eisernen Keilhauen zeugen von einem intensiven Abbau (Abb. 3/4). Dieser geht einher mit einer Intensivierung der Besiedlung im Hochtal von Shakin in sassanidischer Zeit. (Abb. 5) (Stöllner 2004).

Das Hochtal und das Bergwerk von Shakin wird im Rahmen des SPP 2176 Teilprojekts „Mining Regions of the Central Plateau between Resilient and Precarious Societal and Economic Strategie“ in enger Zusammenarbeit mit den iranischen Kollegen vor Ort untersucht. In einer Feldkampagne im Winter 2021 konnten das gesamte Areal erstmals prospektiert und die erhaltenen Befunde dokumentiert werden. Da die Befunde durch einen modernen Bergbau stark gefährdet sind, soll in einer weiteren Kampagne im Frühjahr 2022 in Zusammenarbeit mit der Mirase Qazvin eine Rettungsgrabung durchgeführt werden.

Prähistorisches Gezähe aus Shakin (Foto: F. Schapals/DBM) Alter Bergbau in Shakin (F. Schapals/DBM) Ein islamischer Schachtbergbau in Shakin (Foto: F. Schapals/DBM)

Der sassanidische Siedlungshügel 'Tappeh-Ganj' (Foto: I. Mostafapour/DBM)


In Search of Dark-Stone Sources of Mesopotamia in Southeastern Iran

by Nima Nezafati (Deutsche Bergbau-Museum, Bochum, Germany), Peter Pfälzner (Institut für die Kulturen des Alten Orients, Universität Tübingen), and Nader Alidadi Soleimani (Iranian Cultural Heritage, Handicraft and Tourism Organization (ICHHTO), Jiroft Headquarter, Iran)

According to the archaeological evidence and the ancient textual references, the ancient Mesopotamians imported a considerable amount of their raw material needs from their neighboring areas including the Iranian Plateau, partly via the sea routes of their Lower Sea (today Persian Gulf).

In an attempt to find the sources of the so called “diorite” which was in use for production of royal dark statues and some other prestigious goods of Mesopotamia, especially from the early dynastic III to old Babylonian periods (3rd Millennium BCE), we surveyed and investigated the geological outcrops to the northeast of the Strait of Hormuz (south of Jiroft and south of Kahnuj). Samples were taken from several locations and were studied using petrographic and geochemical examinations. The results were then compared with the observations on the ancient dark stone artifacts including the already published papers in this regard.

Our investigations reveal that beside the natural hard rock outcrops, the very large boulders of some seasonal rivers of the study area can be considered as sources of ancient stone artifacts. The diverse mafic to intermediate rock types of the study area with various colors and textures together with the hints from the ancient texts imply that this area could have well been a source for the ancient diorite and gabbro statues and artifact of Mesopotamia.


Von Nix kommt nix - Potentiale in der Informationsvermittlung

von Gero Steffens

Unsere Seh-, und Lerngewohnheiten ändern sich mit dem Lauf der Zeit. Die Art wie wir Informationen erhalten und (für uns) verarbeiten ist ein Spiegel unserer Zeit. Gut zu sehen ist dies daran wie heute beispielsweise (neue) Museen aufgebaut sind: Museen werden zu Erlebnisstätten. Von der Präsentation hunderter, oder tausender Objekte zu einem Thema weg, hin zu einer Darstellung eines Objektes im Kontext seiner Verwendung, oder in Beziehung zum Menschen der damit interagiert. Nicht mehr nur Informationen, sondern immer häufiger Emotionen sollen ein nachhaltiges Erlebnis (beim Besucher) hinterlassen. Man kann über diese Entwicklung sehr unterschiedlicher Meinung sein, denn nur weil etwas „modern“ ist, muss es noch lange nicht „gut“ sein (was auch immer „gut“ bedeutet). Fakt ist auf jeden Fall, dass wenn ich Menschen mit meinen Spezialthemen erreichen will, muss ich die gegenwärtigen Seh- und Lernmethoden berücksichtigen um erfolgreich zu sein. Unsere (wissenschaftlichen) Erkenntnisse/ Daten sind in aller Regel für den Außenstehenden nicht direkt „lesbar“ oder hilfreich. Daher ist es zielführend eine Ebene zwischenzuschalten die quasi eine „Übersetzung“ vornimmt und unserer oftmals komplexen Sachverhalte aufarbeitet.

Dies kann durch verschiedene Methoden erreicht werden, hier eine kleine Auflistung:

  1. „Ästhetisierung“ der Bildsprache Ästhetisierung der Bildsprache Ästhetisierung der Bildsprache
  2. filmische Sequenzen vermitteln Zusammenhänge Filmische Sequenzen vermitteln Zusammenhänge
  3. Ergänzung von Bild- und Filmmaterial mit überlagerten Informationen
  4. grafische Rekonstruktion der Situation in Bezug auf den konkreten Befund („Lebensbild“)
  5. Schaubilder mit Reduktion auf das Wesentliche Schaubilder mit Reduktion auf das Wesentliche
  6. 3D Modelle
  7. (Kurz-) Filme, die all diese Elemente in eine Geschichte (roter Faden) einbetten

Mit dieser optimierten Informationsvermittlung ist es möglich, das Bewusstsein für unsere Themen in einer deutlich größeren Bevölkerungsgruppe zu schärfen und auch die Akzeptanz gegenüber ggf. notwendigen Schutzmaßnahmen zu fördern.  Es ist nicht das Ziel, den Bergbau und die damit verbundene Industrie sowie die Umweltveränderungen zu glorifizieren, sondern als wichtigen Teil unserer Geschichte zu erkennen und im Gedächtnis zu behalten.


Projekt DigiSteps des DBM - Entwicklungsschritte auf dem Weg zum digitalen Forschungsmuseum

von Ingolf Löffler

In den letzten Jahren wurde für das DBM die Bedeutung und Dringlichkeit, eines umfassenden digitalen Ausbaus der bestehen Strukturen deutlich.

Zum Erreichen dieses Vorhabens wurde ein Antrag bei der Europäischen Union gestellt, der sowohl diverse infrastrukturelle Maßnahmen als auch grundlegende Maßnahmen mit externer Unterstützung beinhaltet.

Hauptziel ist die Erstellung des Digitalkonzeptes und andererseits die Ausgestaltung eines Antrages auf einen Sondertatbestand DBMdigital, im Rahmen der Bund-Länder-Förderung. Mit diesem Antrag wird die Umsetzung des Digitalkonzeptes mit den entsprechenden Strukturen und die Finanzierung der notwendigen Personalressourcen angestrebt.

Dies beinhaltet: ein vernetztes Denken von digitalen Optionen; dass das DBM als relevanter attraktiver Akteur in der Öffentlichkeit digital ansprechbar und nutzbar ist; dass ein modernes, offenes Museum mit hoher Reichweite entsteht, das die digitale Transformation der Gesellschaft aufnimmt, begleitet und sich dabei weiterentwickelt.

Das Thema Digitalität soll die großen Museumsbereiche durchdringen. Damit sollen hier digitale Arbeitsinhalte aus dem Bereich der Sammlungen im Montanhistorischen Dokumentationszentrum, als Forschungsinfrastruktur, ebenso wie diverse Datenkonzepte aus der Forschung, mit digitalen Transferkonzepten der Abteilung Ausstellung & Vermittlung in eine Beziehung zueinander gebracht werden.

Für die Umsetzung der genannten Ziele sind folgende Arbeitsschritte notwendig: die Erstellung einer integrativen Digitalstruktur für die Gesamteinrichtung DBM; die zielgerichtete Erweiterung des digitalen Vermittlungsangebotes im Hause; die Beschaffung und Einrichtung digitaler Werkzeuge für ein Besucherscreening, das die Bewertung der musealen Vermittlung, neben Sicherheitsaspekten im Museum, ermöglichen soll.

Das Vorhaben „DigiSteps" soll die sonst auf den räumlichen Museumsbereich und das spezifische Detail des analogen Objektes bezogene Information, in den digitalen Raum erweitern und zugleich einen Dialog anstoßen.

 


From OXALID to GlobaLID: A substantial upgrade of a well-known data pool of lead isotopes for metal provenancing using R and Shiny App

by Hsu, Yiu-Kang, Rose (Deutsches Bergbau-Museum Bochum), Rose, Thomas (Department of Archaeology, Ben-Gurion University of the Negev/Dipartimento di Scienze dell’Antichità, Sapienza – Università di Roma) , Klein, Sabine (Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Ruhr-Universität Bochum, FIERCE, Frankfurt Isotope & Element Research Centre, Goethe Universität), Westner, Katrin J. (Ecole Normale Supérieure de Lyon, CNRS, Université de Lyon)

Lead (Pb) isotope geochemistry is an approved key method in archaeological sciences to reconstruct the resource provenance of metals and trade networks of the past civilisations. Successful application and interpretation of Pb isotope signatures of metal artefacts rely crucially on the published ore data, which are partly only available from pre- or re-digitalised publications. Most Pb isotope reference data collections were compiled by individual working groups, usually focussing on their projects and regions of interest. A great step towards a large-scale collection of Pb isotope data came with the release of the OXALID database in the early 2000s, which has benefited the scholars in the natural science discipline as well as the more untrained users from the archaeological community. Still up today, OXALID is the most used and cited source for reference data, despite the accumulation of many additional data sets since then. All of them are set up as static data collections, limiting the possibilities to expand, correct, and modify them with the publication of newer results or analyses. Additionally not all of them are easily available for people from across the world and only recently compilations for regions outside of Europe and the Mediterranean became widely available.

Riding the wave of open science and new data infrastructures, the authors are endeavouring to digitalise and construct a global Pb isotope data base using the statistical environment R and Shiny App. The presentation will showcase this highly promising application for the modernisation of archaeometry as an applied geoscience discipline.

Web App: https://globalid.dmt-lb.de/

GitHub Repository: https://github.com/archmetalDBM/GlobaLID-App

 

 Hsu 1